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Dvorak Tastaturlayout

Überblick

Da Sie anscheinend diesen deutschsprachigen Text lesen können, sind die Chancen recht gut, daß Sie vor einer Tastatur mit (deutschem) »QUERTZ« Layout sitzen. Daß Sie beim Tippen des Wortes mehrerer einen barocken Triller hinlegen müssen, ist aber durchaus nicht unabdingbar, da sich das Tastaturlayout auf allen gängigen Systemen leicht ändern läßt und es gerade für Viel- und Schnellschreiber Vorteile hat, dies zu tun.

Welche Vor- und Nachteile ein alternatives Tastaturlayout, hier namentlich das Dvorak Layout, hat und wie man eine solche Umstellung angeht, zeigt dieses Dokument.

Das Dvorak Tastaturlayout

Das Dvorak Tastaturlayout, benannt nach August Dvorak, orientiert sich im Gegensatz zum QUERTY/QUERTZ Layout nicht an den mechanischen Voraussetzungen einer Schreibmaschine. Es versucht vielmehr, ein möglichst ergonomisches Schreiben zu gestatten. Um dies zu erreichen, sind im Dvorak Layout beispielsweise die am häufigsten gebrauchten Tasten auf der mittleren Reihe (der sog. middle oder home row) angeordnet. Diese und weitere ergonomische Richtlinien haben jedoch zur Folge, daß sich das Dvorak Layout nahezu vollständig vom QUERTY/QUERTZ Layout unterscheidet.

Das Dvorak Layout wurde ursprünglich als Ersatz für das (amerikanische) QUERTY Layout entwickelt, so daß das Layout zunächst einmal die Gegebenheiten der englischen Sprache berücksichtigt. Beispielsweise ist das »Y« im Dvorak Layout sehr günstig angeordnet, da es im Englischen (anders als im Deutschen) recht häufig vorkommt. Umgekehrt nimmt das »V« im Dvorak Layout eine vergleichsweise ungünstige Position in der unteren Reihe ein.

Da im Englischen viele Zeichen aus anderen Sprachen nicht vorkommen (etwa Umlaute), gibt es für solche entsprechende Dvorak Varianten. Die bekannteste deutsche Variante ist die sog. Dvorak German Type II.

Auf dieser Variante beruht auch die Tastaturbelegung, die ich persönlich verwende und die hier dargestellt ist:

Bild: Dvorak Tastaturlayout

Eine genauere Beschreibung dessen, welche Besonderheiten meine Tastaturbelegung aufweist, findet sich im Abschnitt Dvorak über Xmodmap.

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Warum Dvorak und für wen?

Kurz nachdem ich mein Tastaturlayout umgestellt hatte, fragte mich ein Kollege, dem meine langsamere Arbeitsgeschwindigkeit durchaus nicht entgangen war, entsetzt »Wie um alles in der Welt kommt man auf die Idee, sein Tastaturlayout zu ändern?« Nun, der Grund war bei mir, daß ich zunehmend ernstere Probleme mit meiner linken Hand bekam, die eindeutig mit der Arbeit an der Tastatur zusammenhingen, möglicherweise RSI, was weiß ich.

Ich sollte vielleicht erwähnen, daß ich auf der QUERTZ Tastatur mit zehn Fingern blind flüssig geschrieben habe und das praktisch jeden Arbeitstag mehrere Stunden lang. Die Tastatur ist mit großem Abstand mein wichtigstes Eingabemedium, ich versuche, möglichst alle Eingaben mit ihr zu erledigen und greife nur selten (und widerwillig) zur Maus. Das Programm, mit dem ich am häufigsten (aka ständig) arbeite, ist Emacs. Und als ich die in Emacs häufigen Tastenkombinationen C-x und C-c (C =Control = Steuerung) nur noch unter Schmerzen ausführen konnte, habe ich mich entschieden, es mit einem alternativen Tastaturlayout zu versuchen.

Ich habe mir daraufhin einige alternative Layouts angeschaut (u.a. Neo und RISTOME) und mich schlußendlich für Dvorak entschieden, weil mir das Layout sympathisch war und die Umsetzung auf verschiedenen Systemen einfach erschien. Es gibt eine ganze Reihe von Studien, die dem Dvorak Layout Vorteile gegenüber dem QUERTY/QUERTZ Layout absprechen (siehe auch Introducing the Dvorak Keyboard – Dissenting Opinions). Ich kann hier nur für mich persönlich sprechen:

  • Seit ich das Dvorak Layout verwende, habe ich praktisch keinerlei Schmerzen mehr in Fingern und Handgelenk durch die Arbeit mit der Tastatur. Der Belastungsschmerz ließ schon am ersten Tag der Umstellung nach und trat nach etwa einer Woche nur noch nach acht oder mehr Stunden des Tippens auf.
  • Die Schreibgeschwindigkeit ist nach der Umstellungsphase der früheren (mit QUERTZ Layout) vergleichbar, bei Fließtexten sogar (subjektiv) höher.
  • Die Fehlerrate war während der Umstellung naturgemäß wesentlich höher, hat danach aber ihr früheres Niveau erreicht. Bei Fließtexten ist die Fehlerrate (subjektiv) niedriger.

Schon aus diesen Gründen hat sich die Umstellung auf das Dvorak Layout für mich gelohnt. Generell würde ich aber sagen, daß das Dvorak Layout für alle geeignet ist, die viel auf einer Tastatur schreiben müssen. Sinnvoll ist das Layout dabei nur, wenn mit zehn Fingern blind geschrieben wird.

Den größten Effekt in puncto Geschwindigkeit/Fehlerrate wird sicherlich bei natürlichsprachlichen Texten erzielt. Das Dvorak Layout ist aber auch etwa beim Programmieren keinenfalls hinderlicher als das QUERTZ Layout, allenfalls genauso umständlich.

Das Dvorak Layout läßt sich problemlos auf allen gängigen Betriebssystemen verwenden. In der Regel werden dazu keine Administratorrechte benötigt.

Den einzigen stichhaltigen Grund, es nicht einmal mit Dvorak zu versuchen, sehe ich darin, daß der Rest der Welt andere Layouts verwendet. Ich persönlich stehe vor einem QUERTZ Layout inzwischen wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berge, sprich: ich habe Zehn-Finger-Blind-Schreiben auf einer QUERTZ Tastatur komplett verlernt. Wenn ich gezwungen wäre, täglich auf vielen verschiedenen Tastaturen zu arbeiten (z.B. als IT-Service-Sklave), dann hätte ich die Umstellung nicht vollzogen.

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Wie lange dauert das Erlernen/die Umstellung?

Wer bisher nicht mit zehn Fingern blind schreibt, soll dies angeblich mit einem Dvorak Layout leichter und schneller lernen als mit einem QUERTZ Layout. Das mag so sein oder aber auch nicht. Das kann ich schlichtweg nicht beurteilen.

Mir, als jemand der auf einer QUERTZ Tastatur mit zehn Fingern blind geschrieben hat, ist die Umstellung eigentlich recht leicht gefallen. Die Vorgehensweise war dabei einfach: Ich habe das Layout eines Tages umgestellt und seitdem nicht mehr geändert.

Zunächst habe ich mir eine Abbildung des Layouts eingeprägt und mir diese auch während des Tippens auf dem Bildschirm angezeigt. Erstaunlicherweise wußte ich schon bereits nach ca. einer halben Stunde, wo sich die Tasten im neuen Layout befinden und habe die Abbildung nicht mehr gebraucht.

Leider wußten meine Finger aber noch nicht, wo die Tasten nun zu finden waren ☹

Die ersten Stunden nach der Umstellung waren in der Tat eine Tortur. Ich habe stellenweise wie ein Depp vor der Tastatur gesessen und versucht, meine Arbeit zu erledigen. Die Arbeitsgeschwindigkeit ist dabei locker um 95% zurückgegangen.

An den folgenden Tagen ging es langsam besser, aber in der ersten Woche war Tippen immernoch eine quälend langsame Angelegenheit.

Nach drei Wochen konnte man langsam von einer akzeptablen Tippgeschwindigkeit sprechen, allerdings war die Fehlerrate noch sehr hoch.

Nach etwa zwei Monaten hatte ich die alte Geschwindigkeit wieder erreicht.

Ich habe während der Umstellungsphase praktisch nur meine arbeitsbedingten Schreibarbeiten erledigt und keine Tipptrainer oder ähnliches bemüht. Anfangs habe ich ein paarmal Artikel aus dem Heise Ticker oder Spiegel Online abgetippt, wenn ich die sowieso lesen wollte, das aber auch (aus Zeitmangel) bald wieder gelassen.

Ich hatte mir auch tatsächlich Tastaturaufkleber besorgt und diese auf eine meiner Tastaturen geklebt. Ich weiß nicht, welcher Teufel mich da geritten hat, aber tatsächlich ist das überflüssig wie ein Kropf; braucht man wirklich nicht.

Die größten Schwierigkeiten hatte ich zunächst mit dem »er«; bei mir kam anfangs immer ein »ei« heraus. Die größte Schwäche des von mir verwendeten Dvorak Layouts sehe ich auch heute noch in der Anordnung von »S« und »L«, da die Folge »ls« gerade im Deutschen recht häufig vorkommt. Überhaupt fand und finde ich es sehr unergonomisch, einen Symlink zu setzen (ln -s), da dabei alle Zeichen (außer Space) nebeneinanderliegen und drei davon mit dem kleinen Finger getippt werden.

Alles in allem würde ich sagen, daß man sich für die Umstellung eine Phase aussuchen sollte, in der man nicht allzusehr unter Zeitdruck steht. In der ersten Woche bekommt man noch wenig zustande, danach wird's aber schnell besser, so daß man nicht extra in Urlaub gehen muß, um sich umzustellen. Nach ein bis zwei Monaten kann man dann praktisch wieder halbwegs normal mit der Tastatur arbeiten.

Was ich allerdings zugeben muß: Mit einem QUERTZ Layout komme ich nicht mehr zurecht, das habe ich verlernt. Es soll aber Leute geben, die beides beherrschen. Wahrscheinlich ist es auch relativ leicht, wieder auf das QUERTZ Layout »zurückzusatteln«, aber ich habe nicht vor, das demnächst auszuprobieren.

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Dvorak Tastaturlayout auf verschiedenen Betriebssystemen

Das Tastaturlayout zu ändern, ist unter allen gängigen Betriebssystemen möglich und zumindest unter Linux und Windows einfach. Zu MacOS kann ich eigentlich nichts sagen, es sollte auf diesen Systemen aber auch nicht allzu schwer sein.

Linux

Unter Linux (und anderen *NIX-artigen Systemen) kann man das Tastaturlayout sowohl für die Textkonsole als auch für die graphische Oberfläche (X11) ändern. Am einfachsten geht das, wenn man die entsprechenden Keymaps zur Hand hat …

Konsole

Änderungen des Tastaturlayouts für die Konsole können mittels des Kommandos loadkeys durchgeführt werden. Zunächst kann man sich aber die bisherige Belegung sichern:

Mit der resultierenden Datei läßt sich später die alte Belegung wiederherstellen:

In gleicher Weise kann man auch die Dvorak Map laden. Meine Keymap, basiert auf der von Robert Freund. Die Keymap belegt übrigens auch TAB mit Control (das läßt sich aber auch leicht ändern).

Wichtig: Damit das funktioniert, muß man entsprechende Berechtigungen für /dev/console haben. Außerdem wirken sich die Änderungen auf alle virtuellen Konsolen aus und überleben auch Konsolen-Sessions, i.e. nach obigem Befehl verlangt auch der Login-Prompt die Eingabe über das Dvorak Layout.

Je nach Distribution kann man die obige Map-Datei in die Systemkonfiguration eintragen oder sich ein kleines Init-Script schreiben, damit die Belegung bereits beim Booten geändert wird. Alternativ kann man den Befehl aber auch immer von Hand ausführen.

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X11

Um unter X11 das Dvorak Layout verwenden zu können, gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten.

Dvorak über X11-Konfiguration

Unter X.Org kann man Dvorak direkt als Keyboard-Variante in der X11-Konfiguration eintragen. In diesem Falle ist das Dvorak-Layout verfügbar, sobald X11 gestartet wird, also beispielsweise auch in graphischen Login-Managern wie XDM, KDM und GDM. Das kann ein Vor- oder aber auch ein Nachteil sein. Die beliebte Keyboard-Variante »nodeadkeys« stand zumindest in der letzten X.Org-Version, mit der ich das versucht hatte, nicht zur Verfügung, weshalb ich mich auch gegen eine Änderung der X11-Konfiguration entschieden hatte. Wer's trotzdem versuchen will, kann in /etc/X11/xorg.conf folgendes der Konfiguration hinzufügen:

Section "ServerFlags"
  Option      "AllowEmptyInput" "off"
  Option      "AutoAddDevices"  "off"
  # weitere Optionen
EndSection

Section "InputDevice"
  Identifier  "Keyboard[0]"
  # weitere Eigenschaften/Optionen des Keyboards
  Option      "XkbLayout"       "dvorak(de)"
EndSection

Danach kann man X11 neustarten und sollte nun mit dem Dvorak Layout konfrontiert werden. Falls das aus irgendeinem Grund nicht klappt, hilft der Blick ins X11 Logfile.

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Dvorak über Xmodmap

Die zweite Möglichkeit, die ich selbst auch verwende, ist, das Dvorak Layout über eine Xmodmap beim Start der X11-Session zu laden. Meine Xmodmap basiert wiederum auf der von Robert Freund und verwendet genau wie diese Keycodes, was die Konfiguration von der jeweiligen Tastaturhardware abhängig macht.

Die Xmodmap muß daher ggf. angepaßt werden, damit sie mit einer anderen Tastatur funktioniert. Keycodes kann man mit dem Programm xev in Erfahrung bringen oder man läßt sie sich mit

einfach einmal ausgeben.

Der obige Befehl ist auch geeignet, das bisherige Layout zu sichern, damit man es ggf. wiederherstellen kann:

Hat man die richtigen Keycodes eingetragen, kann man das neue Layout ebenfalls mit xmodmap laden:

Wenn alles so paßt, dann schiebt oder linkt man die Datei nach ~/.Xmodmap, wodurch sie von nun an beim Start jeder X11-Session geladen wird.

Die Datei de-dvorak-caps2ctrl.xmodmap beinhaltet neben der Umsetzung des Dvorak Layouts auch noch einige weitere Änderungen:

  • Die TAB-Taste wird durch eine zusätzlichen linke Control-Taste ersetzt.
  • Auf der Komma- und Punkt-Taste liegen zusätzlich (AltGr und AltGr-Shift) amerikanische und deutsche doppelte Anführungszeichen.
  • Auf der Less-Taste liegen in gleicher Weise französische doppelte Anführungszeichen.
  • Die rechte Super-Taste (aka »Windows-Taste«) ist als Compose Key belegt.

Natürlich kann sich hier jeder nach Lust und Laune austoben, die Tastenbelegung ist wirklich leicht zu ändern.

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Windows

Windows benutze ich recht selten und ich tippe auch nicht wirklich viel unter solchen Systemen. Aus diesem Grunde habe ich die Qualität der verfügbaren Dvorak Varianten für Windows auch nicht näher untersucht.

Persönlich verwende ich das Layout, das es bei Cristian Conitzer gibt. Dessen Seite bietet auch eine ausführliche Anleitung, wie die Umstellung unter Windows erfolgen kann.

Weitere Dvorak Layouts für Windows gibt es auch von Simon Sprünker und Ulf Bro.

Interessant mag in diesem Zusammenhang auch dvorakAnywhere sein. Ich habe das selbst nie ausprobiert, aber die Software scheint wohl ein Dvorak Layout unter Windows zu ermöglichen, ohne daß ein Tastaturtreiber als Admin installiert werden müßte.

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MacOS

Macs benutze ich so gut wie nie. Matthias Halibrand hat jedoch ein deutsches Dvorak Bundle samt Anleitung zusammengestellt.

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Dvorak Hardware

Unabhängig von der softwareseitigen Umstellung einer »normalen« Tastatur auf das Dvorak Layout, gibt es auch die Möglichkeit, eine dedizierte Dvorak-Tastatur zu verwenden. Die meisten Anbieter bieten hier jedoch die ursprünglichen Dvorak-Variante (ohne Umlaute etc.) an. Eine Übersicht findet sich beispielsweise auf Introducing the Dvorak Keyboard – Hard-Wired Keyboards von Marcus Brooks.

Felix Gebhart hat mich darauf hingewiesen, daß unter http://www.go-dvorak.com/ auch eine Dvorak-Tastatur mit Dvorak Typ II Deutsch Layout zu bekommen ist (Danke nochmal dafür!). Mir persönlich liegt diese Tastatur zwar nicht so sehr, aber sie hat den Vorteil, daß man sie via USB an praktisch jeden Rechner anschließen und ohne Treiber unter Linux, Windows und Mac OS verwenden kann. Das ist natürlich nicht schlecht, wenn man ab und an mal an Maschinen wechselt, bei denen man das Tastatur-Layout per Software nicht wechseln kann oder will

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Links

Seiten und Sites zum Thema gibt es jede Menge. Einige, auf die ich bei der Umstellung gestoßen bin, seien hier angeführt:

Keymaps

Meine eigenen Keymaps, die im Text erwähnt werden, gibt's hier nochmal:

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Autor: Ulf Stegemann (ulf@zeitform.de)

geändert: 2013-04-11T10:46:35+0200

s/w: Emacs 24.3.50.1 (Org mode 8.0-pre)

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